Hopp Hase – Feldhasenförderung im Kanton Baselland
Von Volker Seifert
Im Kanton Baselland machte sich der Verein „Hopp Hase“ seit 2007 dafür stark, dass wieder zahlreiche Feldhasen in ihrer natürlichen Umgebung leben können. Ziel war es, den Bestand in den Gebieten Reinacher Ebene, Laufener Becken und Wenslinger Feld bis 2017 auf mindestens zehn Tiere pro Quadratkilometer zu steigern. Die Mitglieder des Vereins waren die Jägerschaft Baselland, der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) sowie Pro Natura Baselland.
Das Projekt widmete sich gezielt dem Feldhasen (Lepus europaeus) und verstand sich als „lernendes Naturschutzprojekt“ nach dem Prinzip des adaptive management: Maßnahmen wurden nicht nur umgesetzt, sondern laufend evaluiert und angepasst. Besonders im Fokus stand das Überleben von Junghasen, die in der Landwirtschaft stark gefährdet sind.
Herausforderungen und Problematik
Der Feldhase ist in vielen Teilen der Schweiz rückläufig. Besonders der Nachwuchs ist gefährdet, da Junghasen fast regungslos in der Feldflur verharren und dadurch leicht Opfer von Raubtieren oder landwirtschaftlichen Maschinen werden. Zudem fehlt es in intensiv genutzten Flächen oft an geeigneten Strukturen, die Schutz und Deckung bieten.
Maßnahmen
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, testete und implementierte „Hopp Hase“ verschiedene Maßnahmen:
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Hasenfreundliche Brachflächen: Speziell gestaltete Brachflächen erschwerten es Raubtieren, die Junghasen zu erbeuten.
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Dünner einsätes Getreide: Weiter auseinanderliegende Saatreihen boten den Hasen bessere Deckung und Zugang zu Nahrung.
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Elektrozäune: In einigen Gebieten verhinderten Zäune, dass freilaufende Hunde Junghasen gefährden.
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Monitoring: Das Projekt wurde von Anfang an wissenschaftlich begleitet, die Erfolge der Maßnahmen wurden kontinuierlich überprüft.
Ergebnisse
Die Ergebnisse waren überzeugend: In drei von vier Testgebieten konnte der Feldhasenbestand signifikant gesteigert werden, in einigen Bereichen sogar verdoppelt. Nach zehn Jahren wurde das Projekt planmäßig abgeschlossen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse sind in dem Buch „Feldhasen fördern funktioniert!“ von Darius Weber dokumentiert. Ziel ist, die erfolgreichen Maßnahmen in die landesweiten Biodiversitätsprogramme und Förderflächen der Landwirtschaft zu integrieren.
Bedeutung und Einfluss
„Hopp Hase“ zeigt, dass langfristiger, gezielter Naturschutz auch bei weit verbreiteten Arten wirksam sein kann, wenn man spezifische Schwachstellen berücksichtigt. Das Projekt gilt als Vorbild für eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und Naturschützern. Es veranschaulicht, dass erfolgreiche Naturschutzprojekte auf agrarisch genutzten Flächen möglich sind, wenn praxisnahe, wissenschaftlich begleitete Maßnahmen umgesetzt werden.
Projektteam
Leiter des Projekts war der Wildtierbiologe Darius Weber, unterstützt von Lukas Kohli, Umweltnaturwissenschafter und eidg. diplomierter Landwirt, sowie dem Biologen Nicolas Martinez. Gemeinsam entwickelten sie praxisnahe Lösungen für ein harmonisches Miteinander von Landwirtschaft und Wildtieren, planten Fördermaßnahmen, begleiteten deren Umsetzung und evaluierten deren Erfolg.
Aktueller Status
Nach Abschluss der zehnjährigen Projektlaufzeit wurde der Verein aufgelöst. Die gewonnenen Erfahrungen fließen weiterhin in die landesweiten Naturschutzprogramme ein. Die Finanzierung des Projekts erfolgte durch Spenden, Stiftungen und öffentliche Mittel.
Fazit
„Hopp Hase“ ist ein erfolgreiches Beispiel für modernen, adaptiven Naturschutz: gezielt, wissenschaftlich begleitet und auf Kooperation ausgerichtet. Das Projekt zeigt, wie man durch gezielte Maßnahmen den Lebensraum von Feldhasen nachhaltig sichern kann und damit einen Beitrag zur Biodiversität in der Kulturlandschaft leistet.