Sikawild als „invasive Art“ – Streit um umstrittene Einstufung

Von Volker Seifert

Am 20. Juni 2025 hat das Committee on Invasive Alien Species in Brüssel das Sikawild (Cervus nippon) offiziell in die Liste invasiver Arten aufgenommen. Die Entscheidung sorgt für Diskussionen – nicht nur unter Jägern und Naturschützern.


Ist das Sikawild überhaupt eine eigene Art?

Ob das Sikawild tatsächlich eine eigenständige Art ist, hängt vom gewählten Artkonzept ab. Biologisch betrachtet kann es sich mit Rotwild kreuzen und fruchtbare Nachkommen hervorbringen. Nach dem einfachen Prinzip „Was sich paart, ist eine Art“ wäre das Sikawild folglich keine eigene Spezies, sondern eine Unterart.


Wann gilt eine Art als invasiv?

„Invasiv“ bedeutet, dass eine eingeschleppte Art Schaden an Ökosystemen oder am Menschen verursacht. Beim Sikawild fällt der direkte Menschenschaden weg – bleibt also nur die mögliche Beeinträchtigung der Natur.
Doch: Das Tier beansprucht die gleiche ökologische Nische wie das Rotwild, ohne dieses zu verdrängen. Beobachtungen in betroffenen Gebieten liefern bislang keine klaren Belege für ernsthafte Schäden an heimischen Ökosystemen.


Hybridisierung – selten und oft menschengemacht

Kreuzungen zwischen Rot- und Sikawild kommen vor, allerdings fast ausschließlich bei gestörten Geschlechterverhältnissen oder einer unausgeglichenen Bestandsstruktur. Experten sehen darin eher ein Resultat mangelhafter Jagdstrategien als ein natürliches Massenphänomen.


Wer profitiert von der Einstufung?

Kritiker vermuten, dass forstliche Lobbygruppen hinter der Entscheidung stehen. Aus Sicht der Forstwirtschaft gelten sowohl Rot- als auch Sikawild als mögliche „Schädlinge“ an der Waldvegetation. Die neue Einstufung macht es einfacher, Bestände stark zu dezimieren oder einzelne Populationen ganz zu entfernen.


Und jetzt?

Die EU-Vorgabe muss nun in den Mitgliedstaaten in nationales Recht überführt werden. Der Gestaltungsspielraum ist begrenzt – dennoch befürchten Beobachter, dass auch hier forstliche Interessen erheblichen Einfluss nehmen könnten.